Wie die DLRG in den Schwarzwald kam...

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts konnten nur etwa 2-3 Prozent der deutschen Bevölkerung schwimmen, bis zu 5000 Ertrinkungstote waren zu jenen Zeiten traurige Realität. Doch es bedurfte noch einer größeren Katastrophe, am 28. Juli 1912 brach eine vollbesetzte Landungsbrücke in Binz auf Rügen ein. 100 Menschen fielen in die Ostsee, 17 Personen, darunter sieben Kinder, konnten nicht gerettet werden und starben den nassen Tod. Eine Welle des Entsetzens ging durch Deutschland, welche die Idee einer Wasserrettungsgesellschaft schuf. 11 Monate später wurde diese umgesetzt und die Deutsche Lebensrettungs-Gesellschaft am 05. Juni 1913 im Leipziger Hotel „de prusse“ ins Leben gerufen. Die Gründungsmitglieder, darunter das 1980 verstorbene Freudenstädter Ehrenmitglied Prof. Dr. Wolfgang Kohlrausch, legten schon damals Schwimmen lehren, Retten und Aufklären als oberste Ziele der DLRG fest.

Die junge Rettungsorganisation hatte es nicht leicht sich zu etablieren. Nur ein Jahr nach ihrer Gründung begann der erste Weltkrieg, welcher erste Erfolge wieder schnell zunichtemachte. Bis 1925 kam die Arbeit der DLRG fast zum Erliegen, schaffte jedoch einen Neuanfang und verbreitete sich zusehends. Acht Jahre später, nach der Machtergreifung Hitlers 1933, wurde die DLRG gleichgeschalten, in das Fachamt V (Schwimmen) des Deutschen Reichbunds für Leibesübungen (DRL) eingebunden und schließlich 1938 in Deutsche Lebens- Rettungs- Gemeinschaft (D.L.R.G.) umbenannt. In diesen Zeiten bahnte sich die DLRG ihren Weg gen Süden und nach 24 Jahren schließlich auch in den Schwarzwald.

Ausgangspunkt war der Großraum Stuttgart, wo schon seit 1913 fleißig Schwimmer und Rettungsschwimmer ausgebildet wurden. Durch Gotthilf Vollmer (Erster Vorsitzender des Bezirks Nagold) kam die DLRG auch in die Landkreise Calw und Freudenstadt. Er nahm im Sommer 1936 im Stuttgarter Neckarstadion an einem Fortbildungslehrgang „Leibesübungen für Lehrer an Gymnasien“ teil. Verbunden damit war auch die Prüfung für den Leistungs- und Lehrschein der DLRG, die der ehemalige Landesvorsitzende Konrad Böhm übernahm. Dieser bat Vollmer den neu zu gründenden Bezirk Nagold zu übernehmen, da Vollmer im Herbst 1936 an das Gymnasium Calw versetzt werden sollte. Das Bezirksgebiet erstreckte sich damals über beide Landkreise. Da keine weiteren Inhaber von Grund- und Leistungsscheinen bekannt waren, begann er seine Arbeit als „Einmann-Betrieb.“ Von Nagold aus versuchte Vollmer die DLRG zu verbreiten, vor allem über Kontakte zu bekannten Lehrern und Bademeistern.

Erste eigenständige Ortsgruppen ab 1937

In seinem Bestreben die DLRG im Landkreis Freudenstadt zu verbreiten, war Gotthilf Vollmer recht erfolgreich, er etablierte erste Nagolder Stützpunkte im Schwarzwald (Freudenstadt, Pfalzgrafen- weiler, Baiersbronn, Kniebis, Mitteltal ...), welche nach und nach auch eigenständige Ortsgruppen wurden.

In Freudenstadt waren die Bedingungen für die DLRG- Arbeit besonders günstig, die Stadt führte neben dem Freibad Langenwaldsee seit 1930 auch ein Hallenbad und der dortige Bademeister Karl Funkler besaß schon seit 1933 den Lehrschein.

Am 12. Oktober 1937 gründeten die Schwimmmeister Karl Funkler und Otto Bernhard in Freudenstadt die erste Ortsgruppe im Landkreis. Mit der Eröffnung ihres Freibades folgte die Ortsgruppe Pfalzgrafenweiler 1939 in die Eigenständigkeit.

Gründung des Bezirks 1958

Die DLRG verbreitete sich im Landkreis zusehends, so dass sich in den umliegenden Gemeinden weitere Ortgruppen und Stützpunkte bildeten, welche sich schließlich gemeinsam vom Bezirk Nagold trennten. Am 01.06.1958 wurde im Bayrischen Hof (heute bekannt als s´Nest) in Freudenstadt der neue Bezirk Murg-Kinzig gegründet. Der Freudenstädter Hermann Jung wurde erster Bezirksleiter. Vier Jahre später hatte der Bezirk bereits sechs Ortsgruppen sowie vier Stützpunkte und war in elf Freibädern sowie in zwei Hallenbädern an den Badewachen beteiligt.

Bau der Nagoldtalsperre 1968

Mit dem Bau der Nagoldtalsperre kam eine neue große Aufgabe und Verpflichtung auf den Bezirk Freudenstadt zu. Mit dem Wasserrettungsdienst in der Erzgrube konnte das Erlernte erstmals außerhalb eines Schwimmbades angewendet werden. Einsatzpersonal wie Wachleiter, Bootsführer oder Taucher mussten geschult und weitergebildet werden und fortan wurde das Gewässer von Rettungsschwimmern des Bezirks Murg-Kinzig bewacht.

Bezirk Murg-Kinzig 1982

Umbenennung in Bezirk Freudenstadt

Festakt 50 Jahre Bezirk Freudenstadt